Altstadt- Bürgerinteressen und Gleislager


Gelände Zollbahnhof

Altstadt verliert ein Naherholungsgebiet; Schwerlastverkehr verdrängt Fahradfahrer


Altstadt. Das Gelände Zollbahnhof: Erst Hoffnung auf ein anerkanntes Naturschutz-gebiet, jetzt Vernichtung des Naherholungs-gebiets. Die Misere begann damit, dass sich vor drei Jahren die Firma Bahnlog im Bereich des ehemaligen Gleisbauhofes in einem Gebiet ansiedeln durfte, das sich über Jahrzehnte hin zum ökologisch bedeut-samsten Trockenrasen-Biotop des Saarlandes entwickelt hatte. Es sieht düster aus: Die Ruhe ist dahin, LKWs donnern durchs Gelände, Staub und Lärm belästigen die Anwohner, Schotterberge wachsen und Radfahrern ist die Durchfahrt verwehrt.

Der Anfang und ...
Bereits Mitte der 90iger Jahre wurde in einem Umweltgutachten, das in Zusam-menarbeit mit der Universität des Saarlandes erstellt wurde, die besondere Schutzwürdigkeit des Zollbahnhofes festgestellt. Der Forderung der Unteren Natur-schutzbehörde, das Gelände als Naturschutzgebiet auszuweisen, entsprach dann die saarländische Landesregierung in den Folgejahren insoweit, dass sie das Gebiet des Zollbahnhofes im Landesentwicklungsplan Umwelt als Vorrang-gebiet für Naturschutz einstufte. Alle im Orts-rat Altstadt vertretenen Parteien begrüßten diesen Schritt 2001 und 2003 ausdrücklich – man durfte guten Mutes sein, dass der Alt-stadter Bevölkerung ein wichtiger Naher-holungsbereich auf Dauer erhalten bliebe.

... das Ende eines Naturschutzgebiets
All dies wurde jedoch durch die Ansiedlung der Firma Bahnlog zunichte gemacht. Große Flächen Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere verschwanden unter Schotterbergen und Beton; weitere Gebiete werden in wachsendem Ausmaß beeinträchtigt.
Die geschätzten Spaziergänge der Altstadter Bürger in diesem Gebiet gehören nun der Vergangenheit an: Wer dem Gesang der Nachtigall lauschen, den seltenen Orpheus-spötter beobachten oder die vom Aussterben bedrohte Pflanze „Drei-Finger-Steinbrech“ kennenlernen möchte, der ist hier inzwischen leider fehl am Platze.

Staub und Lärm statt Naherholung
Stattdessen „beglückte“ die Firma Bahnlog Altstadt zunehmend mit den Folgen ihres Betriebs: Die Brecheranlage zum Zerkleinern alter Eisenbahnschwellen stellt eine immense Staub- und Lärmbelastung dar. Dies gilt besonders dann, wenn die Anlage bis in die späten Abendstunden und zeitweise auch am Wochenende in Betrieb ist.

LKW-Andienung als Ärgernis
Insbesondere für die Anwohner der Orts-strasse und Homburgerstrasse brachte die Bahnlog-Ansiedlung eine starke Belastung durch an und abfließenden LKW-Verkehr.
Nach Gesprächen mit der Geschäftsführung scheint sich diese Situation an dieser Stelle zwar etwas gebessert zu haben, aber dafür ist nun eine nahezu durchgängige LKW-Andie-nung aus Richtung Limbach zum Gleisbauhof zu beobachten. Die Anwohner auf der Wind-schnorr sind über diese zusätzliche Belastung sicher nicht besonders dankbar. Darüber hinaus zwingen die von Limbach kommenden und in Richtung Homburger Straße abbie-genden LKW-Karavanen insbesondere mor-gens die Berufstätigen, die nach Homburg fahren möchten, an der Einmündung Kaiser-strasse zu zermürbenden Geduldsproben.

Keine Durchfahrt für Fahrradfahrer
Aber nicht genug damit: Auch die umwelt-freundlichste aller Verkehrsverbindungen, die Radverbindung von Altstadt nach Homburg wurde durch die Firma Bahnlog inzwischen unterbrochen. Jeder, der mit dem Rad nach Homburg wollte, nahm den Weg über das Gleislager. Die Durchfahrt wurde von Seiten der Bahn als Geländeeigentümerin geneh-migt, insbesondere seit der Ortsrat Altstadt vor Jahren auf eine klare Regelung gedrängt hatte als Gegenleistung für die Nutzung der Altstadter Feldwirtschaftswege durch Bahn-mitarbeiter mit Dienst- und Privat-PKWs.
Die Fa. Bahnlog sieht sich nun aber außer Stande, den Fahrrad- und Fußgängerverkehr über ihr Gelände weiterhin zuzulassen. Von der anfänglichen Zusage des Firmeninhabers ist heute keine Rede mehr.
In Verhandlungen des Fraktionsvorsitzenden der SPD-Gemeinderatsfraktion Peter Voigt und dem Kandidat für das Bürgermeisteramt Frank John mit der Geschäftsführung von Bahnlog wurden Pläne für die Schaffung eines neuen Fahrradweges außerhalb des Be-triebsgeländes vorgelegt, die wohl auch schon mit der Gemeindeverwaltung bespro-chen wurden, was – eine zügige Behandlung vorausgesetzt – Hoffnung auf Besserung zu-mindest für diesen Punkt gibt .

Abhilfe – wir bleiben am Ball
Der Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde , Frank John und die SPD-Gemeinderatsfraktion sind gemeinsam mit der SPD Altstadt nicht bereit, die beschriebenen Zustände tatenlos hinzuneh-men. Naturschutz, Lärmschutz, Naherholung – das sind wesentliche Interessen und Rechte der Bürger. Wir werden weiterhin alle recht-lichen und politischen Möglichkeiten aus-schöpfen, um die durch die Bahnlog beein-trächtigte Lebensqualität der Altstadter Bürger wieder herzustellen. Zwar fällt das Gelände unter die Zuständigkeit des Allg. Eisenbahn-gesetz von 1993 mit dem Eisenbahnbundes-amt als Ansprechpartner, das sich vor allem durch Bürgerferne und Schwerfälligkeit aus-gezeichnet hat. Trotzdem engagieren wir uns, um endlich nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. Wir fordern ihr Recht!

 

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